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Wie viele Autoren hat auch Tolkien natürlich seine Werke mit einer Menge Fantasie geschrieben, aber eben nicht ausschließlich. Auch er hat eine Menge Referenzen und Intertextbezüge, quasi easter eggs in seinen Geschichten. Das ist aber weniger ein Running Gag als mehr Inspiration. Denn oftmals mag eine Welt anders aussehen, aber sie basiert dennoch auf Regeln. Und für diese kann man sich bestehender Konzepte bedienen und sie neu zu etwas fantastischem zusammen mischen.
Ich bitte zu entschuldigen, dass ich nicht zu denjenigen gehöre, die sich gut mit Tolkiens Welt auskennen und es deshalb vorkommen könnte, dass ich das eine oder andere ungenau oder sogar falsch beschreibe.

Schöpfungsgeschichte

"Am Anfang war das Wort", heißt es in der Bibel. Das Wort Gottes. Auch in der Schöpfungsgeschichte Tolkiens, den Ainulindalen ist es ein Gott, der die Schöpfung einläutet: Ilúvatar. Er vermittelt seinen Kindern, den Ainur, die seinen Gedanken entsprungen waren, eine Melodie, die sie gemeinsam anstimmen und dieses Lied erschafft die Welt der Valar und aller Wesen von Mittelerde.

"Und er sah, dass es gut war.", heißt es weiter. Auch Ilúvatars Schöpfung ist zunächst vollkommen. Doch auch hier wird sie verdorben. Die Rolle der Schlange nimmt der Ainur Melkor ein, welcher später der Schöpfer von allen Bösen in Arda, wie Tolkien seine Welt nennt, wird. Er singt anders als die anderen, als Ilúvatar ein Lied anstimmt, um seine Gedanken Arda gestalten zu lassen, und versucht, diese zu misstönenden Melodien anzustiften. Schließlich, einige Zeit später, kommt es zum Bruch, Melkor sagt sich von seinen Geschwistern los, geht wie einige andere von ihnen, die fortan Valar genannt wurden, nach Mittelerde und überzieht diese mit Krieg.

"Und Gott erschuf Tag und Nacht; Licht und Dunkelheit." Wer das Silmarillion gelesen hat, kennt auch die großen Leuchten und zwei Bäume, die die Valar, wie sich jene Ainur nennen, die später nach Mittelerde gingen, als Lichtquelle für die Wesen Ardas schufen. Melkor machte es sich zur Aufgabe, sowohl die Leuchten als auch danach die Bäume, die eine noch stärkere Lichtquelle waren, zu stürzen, da er es vorzieht, in Dunkelheit zu leben, da diese ihm und den Wesen, die er erschuf, Kraft gaben und seine Feinde in Furcht versetzte.

Götter

Auch die Geschichte Tolkiens kennt göttliche Wesen — allerdings mehr als in der christlichen — die Ainur (später auch Valar). Sie erinnert viel mehr an die der Ägypter, Römer oder Griechen. Zum einen wegen des Polytheismus' als auch deren Auffassung von einem einflussnehmenden Gott bzw. Göttern.

Die Ainur sowie ihr "Vater" Ilúvatars sind in Arda das, was wir als Götter bezeichnen. Ähnlich wie in anderen polytheistischen Religionen waren sie nicht durch sich selbst allmächtig und allwissend, sondern trotz ihrer übermenschlichen Fähigkeiten mit spezifischen Stärken ausgestattet, die sich in der Gemeinschaft der Ainur erst entfalteten. Nicht einmal sie wussten alles, denn nur Ilúvatar allein kennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bis ins kleinste Detail.

Melkor kann, wie wir im vorherigen Abschnitt erfahren haben, mit der Schlange aus dem Garten Eden verglichen werden, die versucht, die anderen zum Bösen zu verführen. Später nimmt er dann eher die Rolle des Teufels ein, indem er sich selbst zum Gegenspieler seiner Brüder und Schwestern macht und versucht, eine Alleinherrschaft des Bösen auf Arda zu errichten.

Orte

Númenor weist Parallelen zum Mythos der versunkenen Insel von Atlantis auf. Ein wohlhabendes Land mit viel Wissen und fruchtbarem Boden, das am Ende durch Machthunger zugrunde geht. Und darüber hinaus wird Númenor doch sogar "Atalante" (die Versunkene genannt).

Das ist allerdings etwas zu einfach gesagt. Hier müssen schon die verschiedenen Intentionen des jeweiligen Handelns der Atlanter und Númenórer erwähnt werden. Die Atlanter führten Kriege lediglich um, man könnte sagen, die damals bekannte Welt zu beherrschen und erst die Athener brachten sie zu Fall. Hier war reine Gier und Selbstüberschätzung der Grund für die Kriege der Atlanter. Atlantis ging unter, als Strafe für ihre Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Platon nennt das Hybris.

Das trifft in gewisser Weise natürlich auch auf Númenor zu, doch war hier nicht die Beherrschung der Welt, sondern die Erlangung der Unsterblichkeit das oberste Ziel. Im Großen und Ganzen und vereinfacht ist dies in der Tat eine Parallele, aber Tolkien setzt einen ganz anderen Akzent als es Platon tut. Und das ist sehr entscheidend.

Wie wir wissen hatte Sauron die Sinne Ar-Pharazôns verwirrt, und auch unter dem Volk von Númenor Unfrieden gestiftet und dem Volk weiß gemacht, wenn sie Aman erobern, erlangen auch sie die Unsterblichkeit. Insbesondere Ar-Pharazôn war ja gepeinigt von der Angst vor dem Tod und war der Überzeugung, wenn er Aman unterwirft, erlangt er, und nur er — sein Volk war ihm egal — die Unsterblichkeit. Númenor ging unter, weil es die Gesetze Ilúvatars umzukehren und außer Kraft zu setzen versuchte. Das ist ein ganz entscheidender Unterschied zu Atlantis, der benannt werden muss. Im Übrigen ist Atalante oder auch Atalantië der Quenya-Name von Númenor. Ein Zusammenhang zwischen Atalanta und Atlantis ist unter Wissenschaftlern umstritten. Allgemein wird er als — wenn auch merkwürdiger — Zufall eingestuft.

Inwieweit und ob man überhaupt der Parallele Atlantis-Númenor zu viel Bedeutung beimisst, mag strittig sein, Tolkien nennt es jedenfalls seinen Atlantis-Spuk, der ihm Alpträume verursacht hat. Nur kurz erwähnt: Tolkien hat, wie er es nennt, ein totgeborenes Buch über eine Zeitreise angefangen, in dem seine sehr schwache Erinnerung an die Sage von Atlantis eine Rolle spielen sollte. Er verwarf das aber wieder. Es ist also nicht so, dass er auf Parallelen bedacht war.

Ein weiteres Element ist Avallóne (Tol Eressëa), das, wie die Insel Avalon, nur mit einem besonderen Schiff zu erreichen ist.

Ähnliches wie für Númenor gilt auch für Tol Eressëa, bzw. Avallóne und Avalon. Auch hier muss mit aller Vorsicht vorgegangen werden und es muss sehr fein unterschieden werden, zwischen den Ergebnissen die die Forschung hier gibt und den eher zweifelhaften Beschreibungen der Esoterik…

Abschließend

Die Büchse der Pandora ward also sehr früh in der Geschichte der Menschheit geöffnet, auch wenn die Götter — anders als in der griechischen Mythologie — hier nicht ihre Hände im Spiel hatten, und die Hoffnung bildeten die später nach Mittelerde gegangenen Istari, welche Maia waren und die Namen Curumo, Olórin, Aiwendil, Pallando und Alatar trugen. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Melkor und später Sauron zu besiegen.

Vielen Dank an Tochter des Waldes und Elbenprinzlein für den Text zu den Orten Númenor und Avallóne!

Dies war nur eine Zusammenfassung der Schöpfung, hauptsächlich im Vergleich mit dem Christentum. Aber es gibt noch mehr Religionen und weitere Aspekte jenseits der Religion, derer sich Tolkien bedient hat, bedient haben könnte oder zu denen Tolkiens Werke Parallelen aufweisen. Wenn Interesse an einem zweiten Teil besteht, lasst es mich wissen.